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~~~ 5 ~~~ Der nächste Morgen ~~~

(von Thorongal)

Der Himmel im Osten wurde bereits hell, allmählich erwachten die Vögel und begrüßten mit vereinzeltem Gezwitscher den neuen Tag. Die Glut des Feuers war fast erloschen, die Gestalten darum in ihre Mäntel gehüllt schliefen noch regungslos. Es war windstill und friedlich im Wald von Elwynn.

Eine verstohlene Bewegung in einem Gebüsch, ein geflüstertes Wort, ein tiefes Grollen - unhörbar fast - zwei gelbe Raubtieraugen, die zum Lager hinüberblickten. Dann löste sich ein großer, geschmeidiger Schatten und glitt in das Zwielicht der Lichtung hinaus. Ein Mondpirscher war es, ein Weibchen - was für ein mächtiges Tier! Stahlharte Muskeln unter schwarz-weiß gemustertem Fell, große Tatzen mit scharfen Krallen, die langen Eckzähne spitz und tödlich! Es verweilte kurz und sicherte, hielt dann auf eine Gestalt am äußersten Rand der Schläfer zu, an den Boden gepresst und lautlos. Niemand am Feuer rührte sich, kein Wachposten schlug Alarm, nicht einmal die Vögel unterbrachen ihr zeitiges Lied.

Die Raubkatze hatte ihr Ziel erreicht, einen großen Elfenkrieger mit grünem Haar. Seine tiefen Atemzüge zeugten von gesundem Schlaf, er wirkte so sorglos, als befände er sich umgeben von vielen Wachen in der stärksten Elfenfestung Azeroths. Fast schien der Mondpirscher zu grinsen - dann öffnete er den Rachen, stieß ein schauerliches Knurren aus und schnappte zu. Der Krieger fuhr entsetzt auf, doch die Katze stieß ihn wie beiläufig zurück und riss dem Krieger den Umhang vom Leib, um mit großen Sprüngen im Wald zu verschwinden.

Im Lager wurde es schlagartig lebendig. Als wäre sie nie eingeschlafen stand Silvergirl mit Schwert und Schild neben dem Feuer und suchte nach einem Gegner. Die beiden Gnome waren ähnlich flink auf den Beinen, auf den Handflächen des einen tanzen bereits die Flämmchen eines Feuerzaubers, um der Gefahr zu begegnen. Der Zwerg saß noch auf seinem Lager und hielt seinen Streithammer umklammert. Die restlichen Gefährten erhoben sich mehr oder weniger schnell und versuchten sich zu orientieren. Der Krieger rappelte sich ein zweites Mal auf, sein scharfes Schwert in der einen Hand, die andere tastete noch nach dem Schild.

Da ertönte ein helles Lachen vom Rand der Lichtung: „Mietzi! Du böse Katze, du sollst doch meinen Thoro nicht immer so erschrecken!" Hervor trat eine Elfenjägerin mit fröhlichem Gesicht und lachenden Augen. An ihrer Seite ging das Mondpirscherweibchen, den Umhang des Kriegers immer noch im Maul. Die Spannung legte sich augenblicklich und machte allgemeinem Gelächter Platz.

„Fuinmyril, guten Morgen!", begrüßte Silvergirl die Jägerin. „War die letzte Wache so langweilig, dass du erst mal für Stimmung sorgen musst?" Und er Zwerg ergänzte: „War ja klar – was soll denn hier auch groß passieren so dicht an Stormwind?" Er wirkte jedoch erleichtert. „Das nenne ich einen Weckruf!" lachte der Gnommagier und nutzte den Rest seines Zaubers, um das Lagerfeuer wieder zu entfachen. „Ich hoffe, Du hast unser Frühstück mitgebracht!"

Nur Thorongal, der überrumpelte Elfenkrieger, fand überhaupt nichts lustiges an der Situation. „Du solltest Wache halten und uns nicht zu Tode erschrecken..." grummelte er und versuchte, seinen Umhang aus den Fängen der Katze zu lösen. Fuinmyril warf ihm einen Kuss zu: „Ich weiß auch nicht, was in Mietzi gefahren ist, auf einmal war sie verschwunden..." Sie flüsterte ihrem Tier kurz etwas zu, und es gab Thorongals Umhang frei. „Natürlich habe ich auch an unser Frühstück gedacht und uns ein paar Fische geangelt."

„Angeln, pffff..." Thorongals Laune war nach diesem Erwachen nicht die beste, aber die restliche Gesellschaft störte sich nicht daran. Und während der allmorgendlichen Geschäftigkeit - die einen erfrischten sich im nahen Bach, andere kümmerten sich um die Reittiere, das Frühstück
war fast fertig - nahmen die Gefährten auch den Gesprächsfaden vom Vorabend wieder auf.

„Auch wir wuchsen in Teldrassil auf, Silvergirl." Fuinmyril schaute zur Kriegerin hinüber, die gerade ihre Ausrüstung kontrollierte. „Es war eine schöne, unbeschwerte Zeit voller Spaß und Abenteuer. Wir waren vier Gefährten, die die Ausbildung in Shadowglen gleichzeitig begannen: Thorongal und ich, der Priester Rester und Arilif, ein Druide. Ehrlich gesagt wusste keiner so recht, was ihn erwartete, mit staunenden Augen entdeckten wir die Wälder und Hügel unserer Heimat und mussten so manches Mal feststellen, wie gefährlich doch einige Kreaturen und Gegenden sind. Aber wir waren ehrgeizig und lernten schnell. Training war wichtig, und so trafen wir uns regelmäßig, um unserem Volk bei vielen Aufgaben zu helfen."

Inzwischen hatten sich alle um das Feuer versammelt um das Frühstück einzunehmen. Aufmerksam hörten die Anwesenden zu. „Thoro, erinnerst du dich noch an das Abenteuer im Norden unserer Heimatinsel? Als wir diesen riesigen Wasserfall entdeckten?"

Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Kriegers und der Unmut verschwand aus seinen Zügen.
„Und ob ich mich erinnere. Wir waren unterwegs, um ein paar verderbte Elementare zu bekämpfen. Es war nordöstlich von Darnassus, unser Weg führte uns hinter die Lichtung des Orakels vorbei an Schwärmen von Harpyien, großen Spinnen und wilden Raubkatzen.“ Er sah die Jägerin an: „Stammt dein ungezogenes Biest nicht auch aus dieser Gegend...? Na egal. Wir fanden jedenfalls die Elementare, starke Kreaturen mit magischen Fähigkeiten. Doch wir waren zu viert und das Training hatte uns stark gemacht, wir besiegten sie und hatten bald die Aufgabe erfolgreich beendet.

Um auszuruhen ließen wir uns an einem idyllischen Wasserlauf nieder. In der Ferne hörte man das Rauschen eines Wasserfalls, und während wir rasteten schlug jemand von uns vor, doch einmal nachzuschauen, wie es dort aussehen würde. Wir mussten nicht lange überredet werden und brachen auf. Schon bald standen wir am Rand des großen Baumes von Teldrassil. Das Wasser stürzte hier hunderte Schritt in die Tiefe, mächtige Äste ragten in den Wasserlauf, es wirkte wie eine Leiter für Wesen, größer noch als die Urtume und Riesen, denen sicher schon jeder begegnet ist. Was für ein Anblick!

In unseren übermütigen jungen Köpfen nahm ein Plan Gestalt an: Wir würden von Ast zu Ast hinunterspringen und den Fuß der Insel erreichen. Was sollte passieren? Wir waren jung und stark - und wir hatten 2 Heiler dabei! Bevor wir es uns anders überlegen konnten, sprang ich und landete auf dem ersten Ast. Meine Knochen protestierten und ich trug erhebliche Blessuren davon! Mir wurde fast schwarz vor Augen, aber Rester heilte mich von oben, und bald ging es mir besser. Auch Fuin und Arilif sprangen erfolgreich, während Rester uns mit seiner Heilmagie zur Seite stand. Er sah allerdings die Wunden, die wir durch die Sprünge davontrugen und bekam Zweifel an unserem Vorhaben. Rester war vorsichtig geworden und wollte lieber ablassen von dieser Idee. Wir riefen zu ihm hinauf, dass es gar nicht so schlimm wäre und konnten ihn am Ende doch überreden – aber das war nicht gut: weniger robust als wir und längst nicht so gut gerüstet schlug er neben uns auf und hauchte sein Leben aus. Bestürzung machte sich breit - wir hatten unseren Freund verloren und konnten nicht mehr zurück!“

Fuinmyril setzte die Erzählung fort: „Zum Glück wurde Resters Geist nicht in Mitleidenschaft gezogen. Er konnte sich vom Geistheiler seinen Körper wiedergeben lassen, litt danach aber durch unseren Leichtsinn noch lange an Übelkeit und Schwäche.
Wir anderen versuchten inzwischen weiterhin unser Glück, doch wie sich sicher jeder denken kann, endete der Tag katastrophal. Einer nach dem anderen erlag nach einem Sprung seinen Verletzungen, niemand kam heil unten an. Und selbst als körperloser Irrwisch war unser Leiden nicht zu Ende. Wir fanden unsere Körper nicht oder flogen ohne Möglichkeit des Wiederbelebens an ihnen vorbei den Wasserfall hinunter."

Die Elfin lachte: „Ich bin stundenlang um Teldrassil geschwommen, erst als Irrwisch, und dann auch später, als ich meinen Körper wiederhatte. Es war eine dumme Idee, und wir streiten uns noch heute, wer zuerst darauf gekommen ist." Sie blickte zu vielsagend zu Thorongal hinüber.

„Ich war’s nicht!", wehrte dieser ab und tat so, als habe er in den Bäumen einen interessanten Vogel entdeckt. „Aber ich gebe ja zu, dass ich gerne irgendwo runterspringe. Also mir hat’s Spaß gemacht." Und unter dem allgemeinen Gelächter der anderen schlug er vor: „Wenn ihr mal Lust und Zeit habt, treffen wir uns eines Tages alle an der Stelle und versuchen es erneut - es wäre doch gelacht, wenn wir uns von so einem Misserfolg entmutigen ließen!"
18.10.06 21:04
 


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